Curacao - Tag dreizehn

Planänderung. Es war eine wilde Nacht. Mit Wind eingeschlafen, in der Nacht Regen und morgens eine durchgehende Wolkendecke. Die karibische Hitze macht kurz Pause, damit gibt es herrliches Wanderwetter und wir beschließen den Nationalpark Shete Boka im Nordosten der Insel zu besuchen. Das hatten wir sowieso vor und starten mit dem ungewohnt leeren Pickup mal ohne Tauchequipment in Richtung einer Küste die wir hier noch nicht gesehen haben.

Andrea erzählt mir auf der kurzen Fahrt dahin dass sie lieber tauchen würde. Plan ist Plan und ich verspreche im Gegenzug bei einem Minimarket Wasser für sie zu kaufen. Wir fahren nach Norden, die Wolken hängen bis an die Baumspitzen und immer wieder Regenschauer. Die Häuser werden weniger, auch Minimarket gibt es keinen mehr. Ich verspüre etwas Zweifel mein Versprechen halten zu können. Wir kommen zum Tickethäuschen vom Nationalpark und wie selbstverständlich bestelle ich zwei Tickets und zwei Flaschen Wasser. Wir bekommen alles. Auch die zwei Flaschen Wasser. Na völlig klar doch, wusste ich ja lange vorher schon. Oder hoffte es. Die Park-Rangerin zeigt uns auf einer Karte welche Routen es durch dieses Areal gibt und ich möchte natürlich so eine Karte haben. Geht klar, kostet einen Dollar. Das Wetter wird immer freundlicher und wir starten zum ersten Punkt auf der Karte. Die Münder bleiben offen, ein Schauspiel der Naturgewalten raubt uns den Atem. "Natural Bridge" heißt der Platz.

So wild, so kraftvoll, so zerklüftet haben wir Curacao noch nicht gesehen. Ich überlege mir wie man hier am Besten für einen Tauchgang ins Wasser kommt. Sollte eh ganz einfach klappen: Helikopter, Absprung, Negativabstieg. Soweit so gut, aber wir erinnern uns an eine Anekdote von Freunden, welche vom "Strandpersonal" einen Rettungsring zugeworfen bekamen um nach dem Tauchgang wieder aus dem Wassre zu kommen. Okay, hier wird nicht getaucht, es gibt weder Helikopter noch Strandpersonal.

Die Wellen des Atlantik schlagen auf die Küste und schießen wie Wände vor uns in die Höhe. Wir genießen, staunen, machen Fotos und Videos und ziehen weiter zum zweiten "special point" - Boka Pistol. Hier hat das Meer eine Art Kanal in das Ufer geschlagen und das Wasser schießt wie aus einer Pistole in die Luft.

Mittlerweile ist auch Andrea vollständig fasziniert von diesen Urgewalten und nachdem wir den zweiten "special point" nur zu Fuss erreichen konnten, treten wir den Rückweg an. Es beginnt zu Regnen, aber kein Problem. Die Regenschauer dauern ja nur 5 Minuten. Außer dieser hier. Er dauert nämlich ganz genau so lange, bis wir unser Auto erreicht haben. Dann hört er auf. Wahrscheinlich sind wir genau unter der Woke gewandert. Der Weg zum Auto war auch nicht der kürzeste und das hat der Park-Ranger, der beim Parkplatz auf seinem "Bademeister Mitch Türmchen" alles überblickt, mit sattem Grinsen und dem Kommentar "if go there, you not so wet" kommentiert. Bis auf die Unterhose nass aber happy düsen wir im Pickup bei mittlerweile strahlend blauem Himmel zurück in Richtung Appartement um das Tauchequipment aufzuladen. Unterwegs bremsen wir in Westpunt beim K-Rico Steak Restaurant für ein Häppchen zu Mittag rein. Das liegt nach Blue View und Playa Fortis als nächstes Restaurant direkt am Weg. Hier liegt irgendwie alles am Weg.

In meinem besten Englisch erkläre ich der Kellnerin, dass wir uns sehr auf einen Lunch freuen und frage wo wir uns hinsetzen dürfen. Die Antwort war kurz und knapp "solo espanol". Na Gottseidank kann ich Spanisch. Also um genau zu sein, ich habe die Sprache 1992 im Gymnasium als Wahlpflichtfach für ein Jahr gelernt. Und 2008 in Kuba mit den Beach-Securities geübt. Mit ein wenig Nachdenken, Improvisieren und Charme kriege ich raus, welche Gerichte es gibt und übersetze das voller Stolz für meine Frau. Sie lernt auch super schnell und als die Getränke kommen quittiert sie das mit einem perfekt spanischen "gracias". Wir futtern feine Salatvariationen, sie mit "surf & turf" und ich einen klassischen "ceasar".

Aufgegessen, mit Handzeichen bezahlt, gelächelt und mit einem perfekten "hasta luego" verabschiedet. Equipment packen und los. Der Plan sieht einen coolen Tauchgang vor, danach Kühlschrank im Supermarkt füllen. Die Auswahl des Tauchplatzes führe ich nach allen Regeln der Kunst durch. Einsamer Strand, optimale Lage am Weg zum Supermarkt, nicht weit rausschwimmen und ein schöner Name "Playa Sint Michiels".

Das Ergebnis war ernüchternd, wir landen an einem vielleicht mal früher bewirtschafteten Strand, Ruinen überall - ich nehme es vorweg, es war ein ehemaliger Anleger für fette Schiffe. Was wir an der Oberfläche noch sehen konnten, war eine "Boje" mit 5 Metern Durchmesser, sonst sah es halt einfach ein wenig verlassen aus. Unter Wasser erleben wir dann wieder die Rücksichtslosigkeit der Menschheit. Diese "Boje" war mit Ketten die schier unfassbar massiv waren gesichert und diese Ketten haben durch Dünung, Wasserbewegung und wohl auch daran hängende Schiffe das gesamte Riff "klein-gehackt".

Unfassbare Trauer durchfährt uns bei diesem Tauchgang ob soviel Zerstörung und Müll. Wir finden aber auch einige Hoffnungsschimmer, denn die Natur bahnt sich wieder ihren Weg durch die Zerstörung und das Leben kehrt zurück. Wir beobachten Barrakudas und einen riesigen Bestand an Rotfeuerfischen, aber auf fast 40 Metern und wir haben keine Jagdwerkzeuge mit. Mit meiner Kamera habe ich versucht die Rückkehr des Lebens zu dokumentieren.

Wir hoffen beide, dass diese Überbleibsel und der Müll da unten bald entfernt wird, dann kann auch dieser Strand in vielen Jahren wieder karibisch schön sein. Etwas schaumgebremst fahren wir zum Supermarkt, holen ein paar notwendige Vitaminspender und starten den Abend mit Ö3 am Internetplayer in unserem Appartement. Bei einem eiskalten "Zulia Pivo" beobachten wir noch die beiden Haus-Geckos wie sie unsere Terrasse von Mücken und Käfern säubern, null Rest.

Morgen wird dann Kokomo Beach besucht, wir freuen uns schon sehr darauf. Übermorgen gibt es bei Don Genaro einen BBQ Abend, um mit den anderen Gästen (eh nur eine Familie) und den Vermietern und unseren Tauchfreunden von Central Dive zusammenzusitzen. Wir versprechen frische Rotfeuerfische aus dem Meer mitzubringen. Aber da liegt noch ein Tag dazwischen.

Keep on rockin', wir tuns auch!

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